


Kuratoren Eva Karl , Sigurd Roscher
Convenience vs. Gehaltlosigkeit
Junge Künstler widmen sich im KunstvereinGRAZ den Zwängen der Technik
In einer Gesellschaft, in der Nahrung wenig
Fett, dafür viele künstliche Vitaminanreicherungen und lange Haltbarkeit
braucht, scheint der leicht mehlige Apfel aus Omas Garten auf Dauer der
Verlierer zu sein. Er ist nicht Lifestyle, er ist nicht innovativ - er ist
höchsten retro. Doch auch Retro wird schnell zum Massenphänomen, genauso wie
alles, was schnell und einfach geht. Digitalkameras zum Beispiel. Wer sich dem
digitalen-Fortschritt der Gesellschaft widersetzt, wird schnell zum
Aussenseiter. Doch ist ein digitaler Fotograf automatisch ein Mitläufer?
Im KunstvereinGRAZ in Regensburg kuratieren Eva Karl und Sigurd Roscher eine
Ausstellung, die nicht vordergründig belehren will, und auch nicht digital oder
analog aufklären. Bei "o,1% Fett" werden die Arbeiten junger Künstler
gezeigt, die mal digital, mal analog, mal vogelwild durcheinander arbeiten.
Wichtig ist dabei, die Leidenschaft, die Freude am Medium, der haptische Spaß
des Künstlers bei der Arbeit. Wichtiger als ewige Diskussionen über die
Vorteile von "analog" und "digital" ist die
grundsätzliche Entscheidung, die der Künstler für sein Werkzeug trifft.
Unabhängig davon, wann das Werkzeug gebaut wurde, und was es alles kann.
Hit-a-pic (Manuel da Coll und Wolfgang Filser), Florian Hammerich, Sigurd
Roscher, Christoph Knobl, Jürgen Schwarz und Peter Bohn zeigen Werke, die nicht
dick machen, aber trotzdem "fett" sind. Keinen analogen Käse, sondern
digital-analoge Schwarten, die mitreißen und melancholisch machen. Oder auch
Spaß bringen, einen Winterspeck aus Freude schaffen. Sozusagen Zehrmasse der
künstlerischen Heiterkeit und des Idealismus für die grauen Tage des Novembers.
Für Unterhaltung bei der Vernissage sorgt nicht nur ein üppiges Buffet aus
Schmalzbroten (liebevoll geschmiert durch die Kuratoren), sondern auch der
digitalisierte analog-DJ Arok und das Projekt "WsgGukf" von Albert
Plank (bekannt aus der "Sturm und Liebe"-Serie des KunstvereinGRAZ)
und DJ Arok.
Neben schauen und tanzen zu funky-schrägen Tunes dürfen die Gäste aber auch
selbst Eindruck hinterlassen und zwar im analogen Gästebuch.